Presse

Artikel aus der Rhein-Zeitung vom 14. Mai 2011
Foto & Bericht von Jürgen Görgler

Oldtimer-Bus dient heute als VIP-Fahrzeug

Nostalgie Busunternehmer Walter Hoffmann hat einem mehr als 50 Jahre alten Setra zu neuem Glanz verholfen

Menschen schreiben Geschichte, Automobile auch. So der liebevoll gepflegte Setra S 6 von Walter Hoffmann aus dem Eifeldörfchen Nohn. Der 1959 gebaute und nur 6,7 m lange Oldtimer-Bus wurde einst von dem Koblenzer Unternehmen Sonntag in Betrieb genommen. Bis 1975 absolvierte der S 6 zuverlässig seinen Dienst. Doch dann wurde das gute Stück, das vielen Menschen auf zahlreichen Reisen und Ausflügen Freude bereitet hatte, ausgemustert. Längst beherrschten die größeren, besonders komfortablen Luxusbusse in 12 Meter Länge das Geschäft.

Doch nach fünfzehn Jahren „Ruhestand“ auf einem Gartengrundstück kam für den vor sich hin rostenden kleinen Setra Rettung in Sicht: Busunternehmer Hoffmann hatte ihn entdeckt und flugs aufgekauft. Die fachgerechte Restaurierung in der Werkstatt des Familienunternehmens brauchte jedoch ihre Zeit und konnte leider nur „zwischendurch“ erfolgen, wie Walter Hoffmann erzählt; schließlich ging der eigentliche Busbetrieb mit Reise- und Linienverkehr vor.

Doch am 4. Juli 2000 konnte der außen wie innen wieder glänzende Oldtimer neu zugelassen werden. Seither wird er als VIP-Fahrzeug eingesetzt, beispielsweise für Hochzeiten oder auch als Shuttlebus, wie gelegentlich auf dem Nürburgring. Dort trifft der kleine Setra übrigens alle zwei Jahre seine jungen „Geschwister“: Der mittlerweile zum Daimler-Konzern gehörende Bushersteller veranstaltet auf dem Ring regelmäßig seinen Setra-Grand Prix – mit Busfahrern aus aller Welt und einem anspruchsvollen Wettkampf, wo es um Geschicklichkeit und sicheres Fahren geht.

Interessant ist aber auch die Bedeutung des Namens „Setra“ – er beschreibt nämlich die Konstruktion in selbsttragender Bauweise, die Otto Kässbohrer (Ulm) in den 1950er Jahren als erster Hersteller serienmäßig einführte. Bis dato wurden Busse in der Regel auf einem Lkw-Fahrgestell aufgebaut, womit sie insgesamt schwerer waren und nicht soviel Fahrkomfort boten.

Der von Hoffmann-Reisen restaurierte S 6 war mit 22 Fahrgastplätzen der kleinste der Baureihe, angetrieben von einem nur 85 PS starken, wassergekühlten Henschelmotor. Heutige Busmotoren leisten in dieser Kategorie locker das Doppelte, bei den großen Reisebussen sind es sogar zwischen 400 und 500 PS.